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Die meisten kennen ihn noch: den anderen evangelischen gesetzlichen Feiertag neben dem Reformationsfest: Bis 1994 war der Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, nach dem Volkstrauertag, in der Bundesrepublik Deutschland ein Feiertag. Heute ist er es nur noch in Sachsen, und in Bayern fällt an diesem Tag die Schule aus. In allen anderen Ländern wurde er als allgemeiner Feiertag mit der Einführung der Pflegeversicherung abgeschafft; es ist aber weiterhin jedem Arbeitnehmer möglich, sich an diesem Feiertag unter dem Hinweis auf "religiöse Pflichten" frei zu nehmen. Dafür geht kein Urlaubstag verloren, aber das Gehalt für einen Tag. Auch in der DDR war der Buß- und Bettag bis 1966 ein allgemeiner Feiertag.
Der Name dieses Feiertages offenbart eine gewisse Ratlosigkeit: Von der Obrigkeit eingeführt, die sich davon möglicherweise etwas anderes versprach als das gemeine Volk, war er ein stiller Feiertag. Mitten im dunklen November zog es nur Wenige in die Kirche. Was sollte denn gebüßt werden, und wofür oder wogegen gebetet? Sollten die Untertanen umkehren, und wenn ja, wohin, oder sollten nicht eher die Regierenden ihr Tun und Lassen überdenken? Und überhaupt: Schrieb Luther nicht schon in der ersten der 95 Thesen, daß das Leben eines Christen eine ständige Buße sein solle? Müssen wir etwa durch einen besonderen Tag zum Beten ermutigt werden? Fördert das nicht Heuchelei?
Ich glaube, es hat durchaus Sinn, sich zu erinnern. Es macht viel Sinn, sich bei der Erinnerung Gott zuzuwenden. Dann aber braucht man einen Tag, an dem es etwas zu erinnern gibt. So ein Tag wäre für mich der neunte November:
Mit dem neunten November kann ich mehr anfangen als beispielsweise mit dem dritten Oktober oder dem Mittwoch der (vor)letzten Woche des Kirchenjahres.
Zwar kann man Büßen und Beten nicht verordnen. Und in Deutschland wohnen inzwischen mehr Menschen, die sich zu anderen Religionen bekennen oder zu keiner Religionsgemeinschaft gehören, als Evangelische. Aber gerade deshalb wäre ein Feiertag wie dieser gut für das ganze Land, denn wer mag, kann beten. Umkehren sollten wir sowieso. Egal, zu welchem Glauben wir uns halten.
(N. Kahl)
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Pfarrerin Cornelia Hankel